Kind angeschrien? Was jetzt hilft und wie Ihr Euch nach dem Streit versöhnt

Mutter sitzt nach dem Streit mit ihrem Kind auf der Treppe und hält es im Arm

Du hast Dein Kind angeschrien. Und kaum war es raus, hat es Dir schon leidgetan.

Mir ist das auch schon passiert. Und ich weiß, wie schwer sich dieser Moment danach anfühlt. Das schlechte Gewissen, die Gedanken im Kopf, die Frage, wie Ihr da jetzt wieder rauskommt.

Gerade in Familien mit neurodivergenten Kindern passiert das schnell. Der Alltag ist voll, der Tank bei allen oft schon leer, und dann reicht eine Kleinigkeit. In diesem Artikel teile ich, was ich über Streit gelernt habe: warum im Streit selbst kaum etwas ankommt, wie Du Dich entschuldigen kannst, ohne Dich kleinzumachen, und was Euch hilft, beim nächsten Mal früher auszusteigen.

Warum im Streit nichts ankommt

Irgendwann ist mir etwas klar geworden, das vieles erklärt: Solange die Emotionen on fire sind, kann man es echt komplett vergessen, irgendwas logisch zu erklären. Das liegt an unserem Gehirn. Das ist dann im Panik- oder im Angriffsmodus und kann nicht mehr logisch denken. Es reagiert nur noch. Nachdenken, abwägen, zuhören, das geht in dem Moment nicht.

Das gilt für mich. Und es gilt für mein Kind genauso. Bei vielen neurodivergenten Kindern ist dieser Punkt sogar noch schneller erreicht.

Und noch etwas passiert: Im Streit hört mein Gegenüber vor allem meinen Ton. Ich kann inhaltlich völlig recht haben. Wenn ich laut und scharf werde, kommt nur der Angriff an. Mein Kind verteidigt sich gegen den Ton, und der Inhalt geht unter. So dreht sich ein Streit im Kreis, bis einer aussteigt.

Deshalb bringt es wenig, mitten im Streit recht behalten zu wollen. Was ich sagen will, kommt erst an, wenn sich alle wieder beruhigt haben.

Nach dem Streit mit dem Kind versöhnen:
Entschuldige Dich für den Ton, nicht für das Thema

Wenn ich laut geworden bin, gehört für mich eine Entschuldigung dazu. Da bin ich ganz pragmatisch. Jedem passiert es mal, dass er sich verkehrt verhält. Und es ist völlig wurscht, ob mein Gegenüber ein Erwachsener ist oder mein Kind.

Dabei ist mir eine Unterscheidung wichtig: Ich entschuldige mich für meinen Ton. Nicht unbedingt für das Thema.

Vielleicht ging es um etwas, das wirklich wichtig war. Die Hausaufgaben, eine Absprache, eine Grenze. Das darf weiter Thema sein. Nur die Art, wie ich es gesagt habe, war nicht in Ordnung. Wenn ich beides trenne, muss ich nicht so tun, als wäre das Thema egal gewesen. Und mein Kind kann später, wenn alle wieder ruhig sind, tatsächlich hören, worum es mir ging.

Wie Du beim nächsten Mal früher aussteigen kannst

Am meisten hilft mir inzwischen, gar nicht erst ganz in den Streit reinzurutschen. Das klappt nicht immer. Aber immer öfter.

  1. Sag den einen Satz. „Ich will mich gar nicht streiten.“ Dieser Satz hat bei mir schon viele Streits verhindert. Er ist wie ein Umleitungsschild, bevor es richtig losgeht.
  2. Nimm Dir kurz Abstand. Zum Beispiel: „Ich bin gerade richtig ärgerlich. Lass mich kurz runterkommen, dann reden wir weiter.“ Das ist kein Weglaufen. Es verhindert, dass etwas viel heftiger rauskommt, als Du es meinst.
  3. Sprich von Dir statt über Dein Kind. Statt „Immer lässt Du alles liegen!“ eher: „Mich stresst es, wenn die Sachen im Flur liegen, weil ich dann ständig drüber stolpere.“ Diese Idee kommt aus der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Ein Satz, der mit „Du immer“ anfängt, wird fast immer als Angriff gehört. Ein Satz über Dich selbst lässt Deinem Kind die Chance zu reagieren, ohne sich verteidigen zu müssen.
  4. Sprich Dinge früher an. Viele große Streits entstehen, weil sich vorher etwas angestaut hat, bis das Fass überläuft. Wenn Du etwas früher sagst, kannst Du es oft noch ruhig sagen.

Kind angeschrien und Schuldgefühle: wenn es trotzdem passiert ist

Du wirst Dein Kind trotzdem wieder einmal anschreien. Ich auch. Wir sind Menschen, und wir werden Fehler machen. Ein lauter Moment sagt nicht alles darüber aus, was für ein Elternteil Du bist. Vielleicht sitzt Du trotzdem gerade mit einem schlechten Gewissen da und fragst Dich, ob Du Deinem Kind geschadet hast. Dass Dich das so beschäftigt, zeigt vor allem, wie wichtig Dir Dein Kind ist. Den ganzen Abend mitschleppen musst Du es trotzdem nicht.

Entscheidend ist, was danach kommt. Dass Du hingehst. Dass Du Verantwortung übernimmst. Und dass Dein Kind erlebt: Wir können streiten und trotzdem wieder zueinanderfinden.

Für genau diesen Moment danach habe ich etwas für Dich: „Wenn Du Dein Kind angeschrien hast und es Dir sofort leidtut“. Darin geht es auch darum, wie Du ohne Selbstvorwürfe auf die Situation schauen kannst, und was Dir hilft, wenn Ihr immer wieder an diesen Punkt kommt.

Wenn es bei Euch immer wieder an derselben Stelle kracht, schau gern auf meiner Seite Für Eltern vorbei. Dort findest Du ein kostenloses Kennenlerngespräch und meine Klarheitssession. Und wer mir lieber zuhört: In Folge 15 meines Podcasts „Nur für mich“ erzähle ich noch ausführlicher, wie ich mit Konflikten umgehe.


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